Erfahrung schon seit 1987
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt (von den Privatkassen als
gemischte Krankenanstalt) und auch beihilfefähig.
SUDECK-DYSTROPHIE
Sudeck`sche Dystrophie,
complex
regional pain synd rome
Typ I
Dieses Thema auf englisch (in english):
www.sudeck-dystrophy.com
Die Sudec k Dys trophie wird teilweise auch als Sudeck`sche Dys trophie bezeichnet.
Eine Sudeck Dystrophie ist eine seltene Erkrankung. Dies ist der Grund, warum die Krankheit häufig nicht gleich erkannt wird. Nicht selten weist sogar erstmals ein Physiotherapeut auf diese Diagnose hin. Seit Jahren werden in unserer Klinik Sudeck-Patienten behandelt, in der Größenordnung von ca. 30-50 pro Jahr. So waren es 2007 genau 47 Patienten mit dieser Diagnose, entsprechend erfahren sind unsere Therapeuten !
Bei der Sudeck-Dystrophie handelt es sich um reaktive, neurovaskulär (= Nerven - und Gefäßsystem betreffend) bedingte, meist in 3 Stadien ablaufenden Weichteil - und Knochen veränderungen rumpfferner Gliedmaßen abschnitte, meist als Verletzungsfolge (v.a. nach Knochen brüchen), aber auch nach Entzündungen oder Nervenschädigungen, seltener sogar spontan (= von selbst, unwillkürlich, ohne äußere Ursache oder Einwirkung entstehend) auftretend.
Beispiel einer Sudeck-Dystrophie der linken Hand:
Da eine Sudeck`sche Dystrophie aber nicht zwingend nach jeder Verletzung auftritt, muß es eine individuelle Kran kheitsdisposition (= Kran kheitsanfälligkeit) mit besonderer vegetativer (= das unwillkürliche Nervensystem betreffende) Labilität geben.
Die Pathogenese
(= Kran
kheitsentwicklung)
der Sudec
k-Dys trophie
(Sudeck`sche Dystrophie) ist
unbekannt.
Die Patienten klagen über diffuse und heftige
Brennschmerzen,
ähnlich wie bei einer
Kausalgie (=
Schmerzen nach
Nervenverletzungen).
Häufig besteht eine
Hyperästhesie (=
gesteigerte Empfindlichkeit) bis hin
zu
Allodynie (=
Berührungsschmerzen
schon bei leichter, normalerweise nicht schmerzhafter
Berührung).
Aufgrund der Zirkulationsstörung sind die
betroffenen Partien meist bläulich livide verfärbt und ödematös
(= aufgequollen)
verändert. Häufig bemerken die Patienten eine erhöhte Schweißneigung im
betroffenen Körperbereich. Beteiligte
Gelenk
e versteifen oft und führen so zu einer Behinderung.
Die Art der Gewebsveränderung läßt an eine lokal begrenzte vegetative
Entgleisung denken (Debrunner 1988).
Besonders gravierend ist diese Dystrophie im Bereich der
Hand, weil
sie dort häufig zur Invalidität führt. Im Bereich der unteren
Extremität tritt
die Sudeck`sche Dyst
rophie
bevorzugt im Bereich des
Fuß
es, seltener
der
Hüfte oder des
Knie
s auf.
Die drei (klassischen) Stadien der Sudeck Dystrophie (complex regional pain synd rome Typ I):
1.Akutes Stadium
Im Vordergrund stehen
Schmerzen, auch in
Ruhe, Schwellung infolge eines Ödems
(= krankhafte Flüssigkeitsansammlung)
und hochgradige Funktionseinschränkung. Die Haut ist rötlich/bläulich verfärbt
und teigig verändert sowie überwärmt.
2.Dystrophisches
(= durch Mangel- oder Fehlernährung bedingte Störungen und Veränderungen
einzelner Körperteile betreffendes)
Stadium
Das Gewebe at
rophiert
(= schwindet, bildet sich zurück)
und die Schwellung geht zurück.
Schmerzen lassen
nach und die Temperatur im betroffenen Körperbereich ist herabgesetzt.
3.Stadium der At
rophie
Knochen und
Weichteile sind at
rophiert (=
haben sich zurückgebildet), auch die
Muskeln, beteiligte
Gelenk
kapseln sind geschrumpft. Es besteht eine deutliche
Bewegung
seinschränkung. Die Haut ist dünn, blaß, beteiligte Knoc
h
en sind entkalkt (seitenvergleichendes
Röntgenbild!).
In letzter Zeit sehen wir aber zunehmend Abweichungen von dieser Stadieneinteilung, auch können die Zeiträume der Stadien erheblich differieren.
Diagnostik bei einer Sudeck Dystrophie:
Behandlung der Sudeck-Dystrophie (Sudeck`sche Dystrophie):
Vorweg sei deutlich gesagt, die Sudeck Dystrophie ist eine (schwerwiegende) Schmerzkran kheit und kann deshalb optimal nur von einem erfahrenen Facharzt mit der Zusatzbezeichnung "Spezielle Schmerztherapie" bzw. in einer schmerztherapeutisch anerkannten Klinik behandelt werden. Meist kommt man aber um die weiter unten beschriebenen, kontinuierlichen Nervenblockade techniken nicht herum, was aber nur stationär in einer Schmerzklinik mit entsprechender Erfahrung möglich ist, z.B. in den Bad Mer gentheimer Schmerzkliniken.
1) Systemisch (= den Gesamtorganismus betreffende) medikamentöse Behandlung:
Teilweise
wird darüber hinaus die Gabe von Bisphosphonaten empfohlen (z.B. Varenna
M, et al 2000). Medikamente aus dieser Gruppe werden u.a. auch zur Behandlung
der
Osteoporose
verwendet. Aber: Die amerikanische Arzneimittelagentur FDA erinnert in
einem Warnhinweis Ärzte daran, dass es unter der Therapie mit Bisphosphonaten zu
schweren
Schmerzen im Bewegungsapparat kommen kann. Die europäische
Arzneimittelagentur EMEA überarbeitet derzeit die Sicherheitshinweise einmal zu
den kardiovaskulären Risiken von Bisphosphonaten und dann zur Gefahr von
Kiefernekrosen.
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/newsdruck.asp?id=30986(Jan.
2008)
Bereits 2004 wurde die Wirkung von Bisphosphonate bei C
RPS I untersucht (Ruhr-Universität Bochum): Es zeigte sich weder eine
Reduktion des Dauerschmerzes noch eine Verminderung der
Schmerzattacken hinsichtlich Anzahl, Dauer und Intensität...... Die
Schmerzreduktionen durch Bisphosphonate bei C
RPS I-Patienten in anderen Studien könnten durch die im Frühstadium der
Erkran
kung wahrscheinlich häufig auftretenden
Spontanremissionen zurückzuführen sein.
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=974924059&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=974924059.pdf
2) Lokale (= örtliche) medikamentöse Therapie bei Sudeck-Dystrophie:
3) Therapeutische Lokalanästhesie
Die konsequente Anwendung
der
therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) führt bei
Sudeck-Dystrophie zu beachtlichen Erfolgen.
Für den Bereich der
Arme haben sich
engmaschig wiederholte
Stellatumblockade
n (= Betäubung
des
Ganglion stellatum, eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
bewährt ((auch als GLOA
(= mit einem Opium-ähnlichen Medikament),
Nachteil dieser Methode ist aber,
daß kaum ein durchblutungsfördernder Effekt eintritt)),
optimal in
kontinuierlicher Form mit Katheter*.
Auch die
kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter**
ist
sehr hilfreich (und auch risikoärmer als Stellatumblockaden), zumal das
Nerven
geflecht des
Arm
es reich an vegetativen Fasern ist, so daß es neben der erwünschten
Hemmung der Nozizeption
(= Schmerzreizleitung) auch zu
einer Steigerung der Durchblutung kommt und somit die gestörte Mikrozirkulation
im
Schmerz
bereich optimiert wird.
Im Bereich der
Beine
(einschließlich
Hüfte) kommen bei
dieser
Schmerzkrankheit
ebenso kontinuierliche Blockadetechniken** zur Anwendung:
· Hüfte: Kontinuierliche Blockade des Plexus lumbalis mittels N. femoralis-Katheter**
· Oberschenkel, Knie: Kontinuierliche Blockade des N. femoralis** (periphere Variante)
· Unterschenkel (hinten und außen) sowie Füße: Kontinuierliche Blockade des N. ischiadicus**
Auch die
Nerven
femoralis und ischiadicus führen vegetative Fasern, so daß die erwünschte
Sympathikolyse (=
gefäßerweiternde und damit durchblutungssteigernde Wirkung)
ebenfalls eintritt.
Als nächst höhere Therapiestufe bietet sich dann die kontinuierliche
epidurale Blockade
(= rückenmarknahe Betäubung)
mit Katheter** an.
Die Sudeck-Dystrophie (Sudeck`sche Dystrophie)
erfordert eine längerfristige
Blockadebehandlung (mindestens 2 bis 3 Wochen).
Daß serielle bzw. kontinuierliche Nervenblockaden bei dieser Kran kheit sehr hilfreich sind, ist auch schon seit längerem in der Fachliteratur gut dokumentiert. Z.B. Lehmann, K.A.: postoperative Schmerztherapie, WVGmbH Stuttgart, 485-93 (1993). - Murray, P., Floor, K., Atkinson, R. E.: Continuous axillary brachial plexus blockade for reflex sympathetic dystrophy - Anaesthesia 50 (7), 633-5 (1955). - Ribbers, G. M., Geurts, A. C., Rijken, R. A., Kerkkamp, H. E.: Axillary brachial plexus blockade for the reflex sympathetic dystrophy synd rom, Int. J. Rehabil. Res 20 (4), 371-80 (1977). Auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation sind zur Behandlung beim komplexen reg ionalen Schm erzsyndrom (Symp athische Reflexdyst roph ie) Nervenblockaden aufgeführt - http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll-na/036-006.htm
Begleitend hat sich auch eine Infusionsserie mit Lidocain2% (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) als hilfreich erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.
Man kann Lidocain auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen (= Spritzen in eine Schlagader) in die A. femoralis (= Beinschlagader) oder A. brachialis (= Schlagader des Armes) verabreichen, so z.B. 1-2 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn und führt dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung (Sympathi kolyse) bei gleichzeitiger Schmerzlinderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde bewußt um das Gefäß herum infiltriert.
Manche Autoren empfehlen sog. Sympathikus-Blockaden mit Guanethidin. Der Wirkstoff findet auch zur Behandlung eines Bluthochdrucks Verwendung. Der Wirkmechanismus beruht auf der Verminderung der Freisetzung des Botenstoffs Noradrenalin aus den Endigungen der Nervenzellen. Vorteil dieser intravenösen Blockademethode (= das Medikament wird in ein zum Herzen zurückführendes Gefäß eingespritzt, wobei aber z.B. der Arm vorübergehend abgestaut wird) ist, daß die Wirkung bis zu 72 Stunden anhalten kann. Nachteil ist das gegenüber den Nervenblockaden deutlich erhöhte Behandlungsrisiko.
4) Andere, zusätzliche Maßnahmen zur Therapie der Sudeck-Dystrophie:
Neuerdings führen wir bei der Sudeck-Dystrophie (Sudeck`sche Dystrophie) im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschenkel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Über eine Verbesserung der Durchblutung wird der lokal (= örtlich) gestörte Stoffwechsel optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).
Bestehen chronische Schmerzen bei Sudeck-Dystrophie längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Schmerzbehandlung kaum mehr ausreichend, sondern es muss im Rahmen von psychologisch /psychotherapeutische Interventionen auch eine spezielle Schmerzpsychotherapie erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
Erläuterungen:
*
Die neue Bezeichnung
der International Association for the Study of Pain lautet:
C
RPS
Typ I =
Complex Regional Pain Synd
rome
(Reflex
Sympathetic Dystrophy Synd
rome)
**Bei
der sog. kontinuierlichen Blockade eines Nerven mit Katheter wird der dünne
Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner
ven eingepflanzt. Die Einpflanzung
erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht
“aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals
täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des
örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe
angeschlossen werden. Das
örtliche Betäubungsmittel
wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei
gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend
krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die
schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus
anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch
die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche
Durchblutungssteigerung und damit Optimierung des lokalen
(= örtlichen) Stoffwechsels
(besonders wichtig bei Sudeck-Dystrophie) resultiert.
Nach neueren Erkenntnissen vermag diese intensive Blockadetherapie das sog.
Schmerz gedächtnis zu löschen,
auch bei
Schmerzen aufgrund
einer Sudeck`sche n Dystrophie.
Auf der Internetseite "die Gesundheitsreform" teilt das Bundesministerium für Gesundheit mit, daß seit dem 1.4.07 alle gesetzlich krankenversicherte Personen jetzt einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation (damit auch auf eine Schmerzrehabilitation) haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen können. Lesen Sie dazu auch einen Brief des Bundesgesundheitsministeriums.
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Aktualisiert:>12.09.2008</> kusB& <strong>Sudeck`sche Dystrophie</strong>
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